Jancis Robinson zum Hochmoselübergang: »Please fight Mosel madness«

Veröffentlicht am 26. Mai 2009 in der Rubrik »Allgemein«

Eine weltweite Welle der Solidarität erfahren derzeit die Einwohner und Winzer der Mittelmosel, die sich gegen den bevorstehenden Bau des monströsen »Hochmoselübergangs« bei Ürzig zur Wehr setzen. Unter der Überschrift »Please fight Mosel madness« meldete sich jüngst auch die britische Weinautorin Jancis Robinson zu Wort, und nicht zuletzt war auch dem Decanter das schwachsinnigste deutsche Bauprojekt aller Zeiten — lediglich die Jahre zwischen 1933 bis 1945 sollten wir in diesem Zusammenhang wohlwollend aus der Betrachtung ausklammern — eine Meldung (»Mosel bridge opponents lobby German chancellor«) wert.

»Hochmoselbrückendino«. Grafik: Rudolf Trossen, Kinheim

In einer (englischsprachigen) Pressemeldung mit der Überschrift »Top Riesling winemakers speak out against vineyards threat« haben sich inzwischen führende Weinerzeuger von der Mittelmosel geäußert, unter anderem auch zu der Frage, in wieweit Beeinträchtigungen für den Weinbau zu erwarten sind.

»This bridge will destroy the aesthetics of the cultural landscape at the Mosel. The impact on tourism, especially during the lengthy building works will be great. The vines will be detrimentally affected by shadow from the bridge, water distribution will be permanently altered«, befürchtet Markus Molitor. »And all this disruption comes not just to anywhere, but precisely to some of the rare ›Große Lagen‹ (Grand cru) vineyards of the Mosel. The main official argument that this road is needed to make the airport Frankfurt Hahn more accessible is highly doubtful: to destroy a cultural heritage environment for a business with no clear future is really a poor trade-off.«

Noch einen Schritt weiter geht Johannes Schmitz vom Rebenhof in Ürzig: »Just before the highway hits the bridge it will go through a short tunnel through a ridge on the Ürzig side. This will allow cold air from the Wittlich depression to flow into the river valley and massively alter the micro-climates of the vineyards around the Mosel bend. Woodland will be lost due to the open style building of the tunnel (carving a large notch out of the ridge); how this will affect water distribution to the vines has not been considered. The unquestionable decline in tourism in the area caused by the bridge will threaten the existence of many local wine makers, restaurants and hotels as wine and tourism go hand in hand. Many similar sites in Europe are protected from such grave intrusions by being named as UNESCO World Heritage sites.«

»Here in the village we are afraid that vibrations from the road building above the Domprobst vineyard will aggravate the landslide, and also that a change of water distribution will have an adverse effect on the vines«, beschreibt Willi Schaefer die möglichen Auswirkungen auf seine Graacher Weinnlagen. »The road embankment will seal off the natural water channels meaning less available water in general, but also giving rise to the danger of flash flooding due to to the reduced water retention of the hill.«

Einen weiteren Umweltaspekt spricht ECOVIN-Winzer Rudolf Trossen aus Kinheim an: »The Celts and the Romans were actively mining on the Mosel plateau many centuries ago. The disturbance of their mining works through the deep impact building of the 40 meter wide roadway threatens to release copper, lead and other heavy metals, which if they settle as dust on the vines will jeopardise the famous vineyards of the middle Mosel.«

Auf die massive Verschwendung von Steuergeldern weisen schließlich Dres. Katharina und Manfred Prüm hin: »It is shocking to see politicians deciding to waste hundreds of millions of taxpayer’s money on the disfigurement of more than 2000 years of cultural heritage, instead of protecting it and supporting its acceptance as genuine world cultural heritage by UNESCO.«

Wie sich das größenwahnsinnigste Brückenbauprojekt Nachkriegsdeutschlands auf das Landschaftsbild auswirken wird, kann übrigens eingehend auf der Website der Aktionsgemeinschaft Eifel-Mosel-Hunsrück in Bewegung studiert werden.

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Bisher 3 Kommentare
  1. Jacob Schmalz schrieb am 26. Mai 2009 um 13:32 Uhr:

    Habe mir die Webseite der Aktionsgemeinschaft mal angeschaut. Ist doch ein imposantes Bauwerk, diese Brücke. Und die wirtschaftlichen Aspekte sollte man auch nicht vernachlässigen!

    Gruß
    Jacob Schmalz

  2. Werner Elflein schrieb am 27. Mai 2009 um 10:06 Uhr:

    Schönen guten Tag, Herr Schmalz!

    Ob man dem Bauwerk unter ästhetischen Gesichtspunkten etwas abgewinnen kann, ist sicher Geschmacksfrage. Als Naturfreund kann ich es nur als größenwähnsinnige Idiotie bezeichnen.

    Zudem möchte ich die »wirtschaftlichen Aspekte« einmal hinterfragen. Welche sollten dies sein? Ich kann hier beim besten Willen nur negative Auswirkungen auf die Region erkennen, vor allem für Gastronomie und Weinbau. Wirtschaftliche Vorteile ergeben sich bestenfalls für ein paar Bauunternehmen, die durch den Brückenbau Aufträge erhalten. Dass sich durch den Bau zusätzlicher Straßen und Brücken Wettbewerbschancen verbessern, ist ein Ammenmärchen, das einer ignoranten und rückwärtsgerichteten Denkweise entspringt. Das Forschungsinstitut des österreichischen Verkehrsclubs VCÖ hat hierzu übrigens ein interessantes Factsheet veröffentlicht, das Sie unter http://doku.cac.at/vcoe_factsheet_infrastruktur.pdf herunterladen können. Die essenziellen Aussagen können Sie bedenkenlos 1:1 auf Deutschland übertragen, sie sind allgemeingültig.

    Der Hochmoselübergang befindet sich seit 40 (in Worten: vierzig) Jahren in der Planung. 40 Jahre, in denen unsere Politclowns (quer durch die Parteien) alle Chancen vertan haben, von der Wissenschaft moderne und fortschrittliche Verkehrskonzepte entwickeln zu lassen und diese auch umzusetzen. Speziell die Herren Beck und Tiefensee wirken auf mich, als hätte man sie vor Jahrzehnten als Erstklässler eingefroren und erst jüngst wiederaufgetaut. Beide scheinen mir jedenfalls in ihrer geistigen Entwicklung deutlich gehemmt.

    Viele Grüße
    Werner Elflein

  3. Help Us Stop Mosel Bridge Madness « Dr. Loosen Blog schrieb am 3. Juni 2009 um 06:55 Uhr:

    [...] http://wernerelflein.de/?p=695 (In German) [...]

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