Was ist eigentlich »wirklich gut«?

Veröffentlicht am 24. Oktober 2008 in der Rubrik »Meinung«

In seiner Kolumne »Weinnotizen«, die regelmäßig in der »Welt Online« erscheint, beantwortet der Sommelier Hendrik Thoma von Zeit zu Zeit Leserfragen. So auch in der jüngsten Ausgabe vom 21. Oktober. Da ging es unter anderem um die Suche »nach einem guten, roten Hauswein« für weniger als fünf Euro. »Für diesen Preis«, entgegnete Thoma, »gibt es kein Erlebnis, sondern nur Wirkung. Sicher, Geschmack ist eine subjektive Angelegenheit. Doch einen wirklich guten Wein zu diesem Preis zu bekommen ist Utopie.«

Kaum waren diese Worte des medienpräsenten Weinfachmanns veröffentlicht, regte sich zum Teil heftige Kritik an ihnen. »Gute Rotweine« gebe es sehr wohl auch unterhalb dieser Preisschwelle, entgegneten diverse Kommentatoren und Weinblogger.

Interessant finde ich an der Diskussion gleich zweierlei: Zum einen den Umstand (der offenbar niemandem aufgefallen) ist, dass Hendrik Thoma gar nicht auf das Anliegen des Lesers eingeht, der lediglich nach einem »guten, roten Hauswein« und nicht nach einem »wirklich guten Rotwein« (was nach allgemeiner Auffassung schon etwas mehr sein dürfte; man beachte in diesem Zusammenhang auch die relativierende Bedeutung des Wortes »Haus«) gefragt hatte. Zum anderen macht es wenig Sinn, über die Existenz »guter« Rotweine für weniger als fünf Euro zu philosophieren, solange unter den Diskutanten kein einheitliches Verständnis der Begrifflichkeit besteht. Wie gut »gut« und »wirklich gut« wirklich sind, scheint nämlich keiner genau zu wissen.

Je nach Standpunkt können beide Seiten Recht haben. Zweifellos ist es möglich, für den genannten Preis einen fehlerfreien, bestenfalls auch ansprechenden Rotwein zu erzeugen, der seinen Konsumenten einen gewissen Trinkspaß bereiten kann. Viel mehr aber auch nicht.

(Wer nun der Auffassung ist, dass mein Statement ähnlich vage formuliert ist, wie alle anderen zu diesem Thema, hat diesen Beitrag wahrscheinlich verstanden.)

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Bisher 1 Kommentar
  1. vinissimus schrieb am 24. Oktober 2008 um 22:24 Uhr:

    Lieber Werner,

    die gleiche Frage habe ich mir auch gestellt. Wirklich gut ist das, was zwischen »Vetragspartnern« vereinbart wurde! Womit man unweigerlich zu einer gemeinsamen Sichtweise auf »Qualität« kommt. Der Begriff »Qualität« ist ein durchaus allgemein gebräuchlicher und wird sehr oft auch umgangssprachlich verwendet — meistens wird damit ein positives Merkmal eines Produkts assoziiert (»qualitativ hochwertig«). In dieser einfachen Näherung findet der Begriff »Qualität« also Anwendung als eine Art (dualer) Klassifikation — gut und schlecht. Dies ist aber nur eine der möglichen Betrachtungsweise. Plakativ kann man auch sagen: »Qualität besteht, wenn der Kunde zurückkommt (den Wein zu kaufen) und nicht das Produkt!«. Wenn also einer einen Wein um 5,- € findet, der ihm zusagt und er ihn wieder ersteht, so hat der Konsument ähnliche Vorstellung von »gut«/»Qualität« wie der Produzent an sein Produkt gelegt hat. Ganz gut verständlich finde ich die alte Formulierung der DIN EN ISO 8402:1995-08, des früheren Standards zum Qualitätsmanagement. Nach dieser ist Qualität »die Gesamtheit von Merkmalen einer Einheit bezüglich ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen.« (siehe Wikipedia) — das sagt doch alles und du musst keine vagen Statements formulieren, oder? ;-)

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